Glossar

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A

Agency
Agency / Eigenverantwortung und Kontrolle

Agency bezieht sich auf das Gefühl der Eigenverantwortung und der Kontrolle der Lernenden über ihr eigenes Lernen. Lernende, die ihre Agency ausüben, möchten sich stetig weiterentwickeln. Sie sind überzeugt davon, dass sie die Kontrolle über ihr Lernen haben und dass sie die Fähigkeit haben, zu lernen und sich zu verbessern.

Quelle: Larsen-Freeman, Driver, Gao & Mercer 2021: 5 (Übersetzung von uns)

Aufgabenorientiertes Lernen
Aufgabenbasiertes Lernen / Task-based learning (TBL)

Aufgabenorientiertes Lernen stellt eine Aufgabe (task) in den Mittelpunkt, die ein mehr oder weniger umfangreiches Lernarrangement darstellt mit den folgenden Kriterien: Die Aufgabe fördert den Gebrauch der Zielsprache, stellt den Inhalt in den Mittelpunkt, ermöglicht eine authentische Kommunikation, ist realitätsbezogen, fördert kooperatives Arbeiten, unterstützt die Verwendung mehrerer Fertigkeiten und führt zu einem konkreten Endprodukt.

Quelle: Vgl. Mertens, J. (2017) Aufgabenorientiertes Lernen, S. 9-11. In: Surkamp, C. (Ed.) (2017). Metzler Lexikon Fremdsprachendidaktik. Ansätze – Methoden – Grundbegriffe (pp. 9-11). 2. Auflage. Stuttgart: Metzler.

B

Binnendifferenzierung
Die Binnendifferenzierung ist ein Eingehen auf individuelle Unterschiede in einer Lernendengruppe. Lernende unterscheiden sich unter anderem bezüglich ihres Vorwissens, ihrer fremdsprachlichen Fertigkeiten, ihrer Lernpräferenzen und ihrer Persönlichkeit. Die Binnendifferenzierung ermöglicht daher eine Individualisierung und Differenzierung des Lernprozesses. Merkmale einer Binnendifferenzierung sind unter anderem Methoden- und Lernmaterialvielfalt, Wahlmöglichkeiten und die Bereitstellung unterschiedlicher Lernwege.

Quelle: Vgl. Haß, F. (2017) Aufgabenorientiertes Lernen, S. 9-11. In: Surkamp, C. (Ed.) (2017). Metzler Lexikon Fremdsprachendidaktik. Ansätze – Methoden – Grundbegriffe (pp. 45-47). 2. Auflage. Stuttgart: Metzler.

„Binnendifferenzierung“ (oft auch „innere Differenzierung“ genannt) meint alle Differenzierungsformen innerhalb einer gemeinsam unterrichteten Gruppe von Lernenden – also vielfältige Methoden, um mit den Unterschieden der Lernenden umzugehen, ohne die gesamte Gruppe dauerhaft aufzuteilen
(in Anlehnung an Klafki & Stöcker, 1991, zitiert nach: https://wb-web.de/wissen/lehren-lernen/binnendifferenzierung-1.html).

Blended Learning
Blended Learning stellt eine Verknüpfung von Präsenzlehre, Selbststudium und online Lehr-/Lernformen dar. Ziel ist es, die Vorteile der einzelnen Lernformen zu nutzen um dadurch einen didaktischen Mehrwert zu generieren. Neben dem allgemeinen Vorteil der zeitlichen und räumlichen Flexibilität kann gerade während der Phasen des (online-)Selbststudiums die Lernendenautonomie gefördert werden.

Vgl. Grünewald, A. (2017) Aufgabenorientiertes Lernen, S. 9-11. In: Surkamp, C. (Ed.) (2017). Metzler Lexikon Fremdsprachendidaktik. Ansätze – Methoden – Grundbegriffe (pp. 33-34). 2. Auflage. Stuttgart: Metzler.

H

Hybride Lehre
Als hybride Lehre wird Unterricht bezeichnet, der gleichzeitig in Präsenz und per Videokonferenz stattfindet. Meist sind die Lehrenden mit einem Teil der Lernenden in Präsenz, und ein weiterer Teil der Lernenden nimmt per Videokonferenz teil. Dies liegt daran, dass ihnen die Teilnahme in Präsenz aus den verschiedensten Gründen nicht möglich ist. Die technische und didaktische Herausforderung ist, den per Videokonferenz zugeschalteten Lernenden die Teilhabe am Unterrichtsdiskurs zu ermöglichen.

K

Kompetenz
Kompetenz bezeichnet die Fähigkeit von Lernenden ein sprachliche Aufgabe zu meistern, dies kann eine sprachliche Fähigkeit sein, oder eine lebensweltliche/kognitive Fähigkeit, z.B. Kreativität oder kritisches Denken.

Moore-Walter, Lawrie & Tassinari, Maria Giovanna (2021). Spotlight on the Learner Autonomy SIG. IATEFL Voices, 283, November / December 2021, p. 27 (Übersetzung von uns.)

L

Lernvertrag
Der Lernvertrag ist ein Instrument der Selbstverpflichtung beim autonomen Lernen. Er wird in der Regel zwischen Lernenden und Lehrenden, Tutor*innen oder Sprachlernberatenden abgeschlossen und enthält die Lernziele der Lernenden (diese können selbst gewählt sein, oder zum Teil vorgegeben), sowie einen Zeitplan und Ressourcen für die Erreichung dieser Lernziele. In einem Lernvertrag können langfristige Lernziele, z.B. eines ganzen Semesters festgelegt werden, aber auch kurzfristige Projekte, auch innerhalb eines Sprachkurses. Ziel eines Lehrvertrages ist es, sich seiner Lernziele bewusst zu werden und diese zu benennen, sowie Strategien zur Erreichung dieser Ziele festzulegen. Daneben soll ein Lernvertrag zu größerer Verbindlichkeit und Selbstmotivation beitragen und den Lernfortschritt dokumentieren.

P

Peer Feedback
Peer Feedback ist eine Form des Feedbacks, bei der Feedbackgeber und Feedbackempfänger einen ähnlichen Status in Bezug auf den Lernprozess haben (Topping 1998), über einen ähnlichen Lernstand verfügen und einander zur Bearbeitung einer Lernaufgabe eine Rückmeldung geben.

Es handelt sich um einen kooperativen, wechselseitigen Prozess, bei dem beide Seiten profitieren können (Cho & MacArthur 2011). Voraussetzung für gelingendes Peer Feedback ist eine offene Beziehung zwischen den Studierenden, denn für Peer Feedback ist Vertrauen und Offenheit notwendig.

Quelle: Cho, K. & MacArthur, C. (2011). Learning by reviewing. In: Journal of Educational Psychology, 73-84.; Topping, K. (1998). Peer assessment between students in colleges and universities. Review of Educational Research, 68, 249-276.

Projektbasiertes Lernen
Projektbasiertes Lernen / Projektunterricht / Project-based learning (PBL)

Das Projekt-basierte Lernen ist eine lernerzentrierte Lernform. Im Mittelpunkt steht ein längerfristiges, ‘echtes’ Projekt, das Lernende mit einem hohen Maß an Eigenverantwortlichkeit durchführen. Die Lehrkraft bietet Hilfestellungen, aber die Lernenden entscheiden gemeinsam, wie sie das Projekt managen, es durchführen und die Ergebnisse präsentieren.

Quelle: Moore-Walter, Lawrie & Tassinari, Maria Giovanna (2021). Spotlight on the Learner Autonomy SIG. IATEFL Voices, 283, November / December 2021, p. 27 (Übersetzung von uns.)

S

Selbstlernzentrum für Sprachen
auch: self-access centre

Im akademischen Kontext ist ein Selbstlernzentrum häufig eine Abteilung eines universitären Sprachenzentrums. Es ist zum einen ein Lernort, der für das selbständige, kursbegleitende oder soziale Lernen in einer angenehmen Lernatmosphäre zur Verfügung steht. Zum anderen bietet es vielfältige analoge und digitale Ressourcen für das Sprachenlernen und für die Vorbereitung auf Sprachtests. Zum Angebot eines Selbstlernzentrums gehören darüber hinaus Sprachlernberatung, Konversationskreise, Workshops, Tandemprogramme, Einstufungstests und strukturierte Selbstlernprogramme (-> Lernvertrag).

Selbstreflexion
Die Selbstreflexion ist ein Prozess, in dem Lernende ihren Lernprozess analysieren und sich so zu aktiveren Lernenden entwickeln, die sich ihrer Stärken und Schwächen, Vorlieben und Abneigungen, Emotionen, etc. bewusst werden.

Auf Seiten der Lehrenden führt die Selbstreflexion darüber hinaus zu einer Analyse der eigenen Lehre und der Lehrsituation.

Quelle: Moore-Walter, Lawrie & Tassinari, Maria Giovanna (2021). Spotlight on the Learner Autonomy SIG. IATEFL Voices, 283, November / December 2021, p. 27 (Übersetzung von uns.)

Sprachlernberatung
Die Sprachlernberatung ist eine eins-zu-eins Beratungssituation eines/einer Lernenden mit einem/einer Berater/in. Lernende werden dazu anzuregt über ihren Lernprozess zu reflektieren und ihr Lernen gemäß ihrer Bedürfnisse, Lernziele und der Gegebenheiten ihres sozialen Umfelds und ihrer Lernsituation erfolgreich zu planen.

Quelle: Mozzon-McPherson & Tassinari 2020: 123

Stationenlernen
Das Stationenlernen ist eine aufgabenorientierte Methode in einem relativ offenen Lernarrangement: Im Kursraum werden an verschiedenen Stationen Aufgaben bereitgestellt, die die Lernenden in einer von ihnen frei gewählten Reihenfolge selbständig bearbeiten, eventuell anhand eines Laufzettels. An den Stationen können die Aufgaben in Paar- oder Gruppenarbeit gelöst werden. Den Lernenden kann zeitliche Flexibilität gewährt werden (kurze oder längere Beschäftigung mit der Aufgabe an einer Station), der Wechsel von einer Station zur nächsten kann aber auch zeitlich getaktet sein (an jeder Station steht eine bestimmte Zeit zur Verfügung, dann gleichzeitiger Wechsel aller Lernenden zu einer anderen Station). Flexibilität der Verweildauer und eventuell auch bezüglich der Aufgaben ermöglicht eine Binnendifferenzierung und Individualisierung, indem die Lehrkraft z.B. Aufgaben in verschiedenen Schwierigkeitsstufen zur Verfügung stellt, oder indem die Lernenden eine thematische Auswahl treffen können.

Jedes Stationenlernen bedarf einer aufwändigen Vorbereitung, auch müssen die Aufgaben im Stationenlernen am Anfang erklärt und am Ende nachbesprochen werden. Die Vorteile sind, dass die Lernenden im Stationenlernen flexibel, kollaborativ und selbständig arbeiten können. Nach der Phase der Instruktion am Anfang kann die Lehrkraft individuell Hilfestellungen geben.

T

Tandemlernen
Ein Lerntandem besteht aus zwei Lernenden unterschiedlicher Muttersprachen, die sich gegenseitig beim Üben/Erlernen der jeweils eigenen Sprache unterstützen und miteinander kommunizieren. Somit ist das Tandemlernen eine Mischung aus ungesteuertem und gesteuertem Spracherwerb, da es einerseits eine authentische Kommunikation mit Muttersprachlern bietet, andererseits aber in einem Lehr-/Lern-Kontext stattfindet, da beide Partner wechselseitig eine Lehrrolle einnehmen. Neben selbst organisierten und gestalteten Einzel-Tandems, die sich häufig über Plattformen finden, bieten gerade Sprachenzentren auch Tandemkurse an. Hier wird das Tandemlernen meist von einer Lehrperson didaktisch und methodisch begleitet, die Tandemarbeitsbögen und Tandemaufgaben zur Verfügung stellen kann. Ein Lerntandem kann in Präsenz stattfinden, wenn beide Partner am gleichen Ort sind, aber auch in Distanz, z.B. per Videokonferenz.

Quelle: Vgl. Bechtel, M. (2017) Tandemlernen, S. 343-344. In: Surkamp, C. (Ed.) (2017). Metzler Lexikon Fremdsprachendidaktik. Ansätze – Methoden – Grundbegriffe (pp. 45-47). 2. Auflage. Stuttgart: Metzler.