Integration von Needs Analysis, Strategien-Training und Lernprojekt in einen Sprachkurs

Zusammenfassung und Relevanz

Die drei Aspekte Needs Analysis (als Beispiel für einen Reflexionsfragebogen), Strategien-Training und Definition von eigenen Lernzielen sind die Basis für einen autonomiefördernden Unterricht. Die Besonderheit dieses Praxisbeispiels ist, dass diese drei Aspekte miteinander verknüpft werden und aufeinander aufbauen. Gleichzeitig bietet es den Lernenden viele Gelegenheiten, in der Fremdsprache zu kommunizieren.

Die Lehrperson strukturiert durch Arbeitsblätter die Selbst-Reflexion, schafft Bewusstheit über Lernstrategien und hilft bei der Definition und Umsetzung eines individuellen Lernprojekts. Dabei unterstützt sie die Lernenden, die mit diesen Prozessen noch wenig vertraut sind.

Die Lernprojekte sowie die Erfahrungen der Studierenden werden im Unterricht besprochen, so dass auch andere Studierende von deren Ideen und Materialien profitieren.

Zeitaufwand: Drei aufeinander folgende Sitzungen: ca. 30 Minuten in der 1. Sitzung, 90 Minuten der 2. Sitzung, ca. 30 Minuten der 3. Sitzung (je nach Anzahl der Lernenden kann die 3. Sitzung mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehmen)
Eine 4. Sitzung (90 Minuten) gegen Ende des Semesters. Nach Bedarf Einzelgespräche.

Benötigtes Material: Arbeitsblätter
“Needs Analysis for this course”
“Preparation strategies for language skills and giving advice”
“Planning my learning project”
“Reflecting on my learning project”
Lernmaterialien bzw. -ressourcen entsprechend der von den Lernenden festgelegten Zielen.

Siehe Download.

Autor*innen / Idee: Bettina Raaf

Ziele

Sprachliche Ziele: Ratschläge geben. Weitere sprachliche Ziele je nach gewähltem Lernprojekt.

Autonomieziele:

  • Entwicklung, Bewusstmachung und gezielter Einsatz von Lernstrategien
  • Entwicklung von Selbstorganisationsfähigkeit
  • Stärkung der Metakognition

Aufbau

  1. Kurssitzung: Needs Analysis

Am Anfang des Semesters in der ersten Kurssitzung informiert die Lehrperson die Lernenden, dass sie im Rahmen des Kurses eingeladen werden, einen Teil der sprachlichen Inhalte selbstständig zu definieren und durchzuführen. 

  • Die Studierenden füllen dazu die “Needs Analysis for this course” aus, die Fragen zur Sprachlernbiographie enthält, zur Motivation für den Kursbesuch, zu Stärken und Schwächen in der Fremdsprache und zu Bereichen, die die Studierenden vertiefen möchten.
  • In Paararbeit tauschen sich die Studierenden über ihre Antworten aus und berichten im Plenum über Unterschiede und Gemeinsamkeiten. Dies fördert die Kommunikation in der Fremdsprache und die Reflexion über die eigenen Sprachlern-Bedürfnisse.
  • Die Lehrperson sammelt die „Needs Analyses“ der Studierenden ein, um die Ergebnisse zusammenzufassen.
  • Die „Needs Analysis“ kann auch per Umfrage auf der genutzten Lernplattform ausgefüllt werden, dann kann die Auswertung automatisch erfolgen.
  1. Kurssitzung: Lernstrategien

Die Lehrperson präsentiert die Ergebnisse der „Needs Analyses“ in anonymisierter Form und erklärt, ob und wie die darin gewünschten Inhalte im Kurs vorkommen. Evtl. adaptiert die Lehrperson ihren Kursplan entsprechend. Eigene Ziele, die über den Kursplan hinausgehen, können die Studierenden später in einem eigenen Lernprojekt verfolgen. Die Studierenden erhalten ihre „Needs Analysis“ zurück.

Hauptthema der 2. Kurssitzung sind Strategien, um sich auf das Hören, Schreiben und Sprechen in der Fremdsprache vorzubereiten. Dazu bearbeiten die Studierenden das Arbeitsblatt “Preparation strategies for language skills” in Gruppen:

  • Sie suchen sich ein listening scenario, writing scenario oder speaking scenario von fiktiven ratsuchenden Fremdsprachenlernenden aus, für die sie Ratschläge erarbeiten. Dabei greifen sie auf ihnen bekannte Sprachlernstrategien zurück und tauschen sich in der Fremdsprache aus.
  • In einem zweiten Schritt evaluieren sie vorgegebene Sprachlernstrategien und entscheiden, inwieweit diese für ihr Szenarium nützlich sind und wenn ja, wie sie diese in ihre Ratschläge integrieren. Dabei erweitern die Studierenden ihr Strategien-Repertoire.
  • Als Hausaufgabe formulieren die Studierenden ebenfalls in Gruppenarbeit einen Brief an “ihren” fiktiven Studierenden mit konkreten Ratschlägen. Dieser advice letter wird vorbereitet durch einen Beispielbrief und sprachliche Mittel.
  • Die so entstandenen advice letters werden von der Lehrperson korrigiert und dienen allen Studierenden als Anregung, eine Reihe von Lernstrategien auszuprobieren.
  1. Kurssitzung: Lernprojekte der Studierenden

Das Arbeitsblatt “Planning my learning project” wird vorgestellt und der allgemeine zeitliche Rahmen definiert, bis wann das Lernprojekt abgeschlossen sein soll, um gegebenenfalls Leistungspunkte zu erhalten. Die Lernenden werden eingeladen, individuelle, persönliche Ziele für das Semester bzw. für einen Teil des Semesters zu definieren. Diese sind unabhängig vom Kursziel bzw. vom Curriculum. Dabei greifen die Lernenden zurück auf die Inhalte ihrer Needs Analysis. Sie können sich auch anregen lassen von den in der vorigen Sitzung besprochenen Lernstrategien und eine oder mehrere davon ausprobieren für ein bestimmtes sprachliches Ziel.

Individuell mit den Studierenden und im Plenum werden mögliche Lernprojekte besprochen. Die Lehrperson berät zu Strategien für die Auswahl von geeigneten Ressourcen. Als Hausaufgabe werden die Lernenden gebeten, das Dokument “Planning my learning project” auszufüllen; dies kann auch online geschehen. In der Folgesitzung können Fragen geklärt werden, aber ab dann arbeiten die Studierenden selbständig.
Weitere kurze Beratungen und Erinnerungen finden im Unterricht im Laufe des Semesters statt. Je nach Curriculum und Größe der Lerngruppe können es zwei bis vier Kurzberatungen sein.

  1. Kurssitzung: Lernprojekte vorstellen

In einer Sitzung gegen Ende des Semesters stellen die Studierenden die Ergebnisse ihrer Lernprojekte vor. Die Studierenden entscheiden, ob sie dies im Rahmen einer kurzen Präsentation machen, oder ob sie die entwickelten Materialien und Produkte vorstellen. Es kann auch eine abschließende Reflexion durchgeführt werden: Was habe ich erreicht? Welche Strategien waren für mich wichtig bzw. ausschlaggebend? Was habe ich sprachlich und (lern)methodisch gelernt? Wie habe ich mich dabei gefühlt? Siehe dazu das Arbeitsblatt „Reflecting on my learning project”.

Hinweis

Wie ein Lernprojekt noch stärker in den Unterricht integriert werden kann, ist im Praxisbeispiel “Kursbegleitendes Lernprojekt” beschrieben.

Fazit

Dieses Praxisbeispiel zeigt, wie die Komponenten Einstiegsfragebogen, Lernstrategien-Training und Lernprojekt in einen schon bestehenden Sprachkurs integriert werden können. Dabei bekommen die Lernenden viele Möglichkeiten, über sich als Sprachlernende zu reflektieren, ihr Strategien-Repertoire zu reflektieren und zu erweitern und ein Lernprojekt selbständig durchzuführen.

 

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