Kursbegleitendes Lernprojekt

Zusammenfassung und Relevanz

Um Motivation und Autonomie graduell zu fördern, wird Lernenden der Freiraum geben, im Rahmen eines Kurses ein kursbegleitendes Lernprojekt durchzuführen. Dieses flexible Modul regt Studierende dazu an, eigene Ziele individuell, in Partner- oder Gruppenarbeit zu definieren und zu verfolgen, die dafür notwendigen Schritte zu identifizieren und diese umzusetzen. Der Lernvertrag dient als Selbstverpflichtung und gibt eine Struktur für alle Phasen des Lernprojekts vor.

 Die Lernprojekte sowie die Erfahrungen der Studierenden werden auch im Unterricht besprochen, so dass auch andere Studierende von Ideen und Materialien profitieren.

Beispiele für Lernprojekte sind: Lesen eines Buches in der Zielsprache, Verfassen einer Bewerbung in der Zielsprache, Erstellen eines Posters/einer Präsentation zu einem selbstgewählten Thema, Erstellen eines Videos.

Zeitaufwand: 1 Sitzung à 45 Minuten, 2-3 weitere Sitzungen à 45 Minuten (je nach Anzahl der Lernenden können die Sitzungen mehr oder weniger Zeit in Anspruch nehmen)

Benötigtes Material: Lernvertrag für mein Lernprojekt (siehe Download); Lerntagebuch; Lernmaterialien bzw. -ressourcen entsprechend den von den Lernenden festgelegten Zielen

Autor*innen / Idee: Maria Giovanna Tassinari

Ziele

  • Sprachliche Ziele: werden je nach Lernprojekt von den Lernenden gewählt
  • Autonomieziele:
    • Förderung der Selbstreflexion
    • Unterstützung von (intrinsischer) Motivation
    • Stärkung der Metakognition
    • Entwicklung von Selbstorganisationsfähigkeit
    • Bewerten und Evaluieren
    • Entwicklung, Bewusstmachung und gezielter Einsatz von Lernstrategien
    • Erkennen und Nutzen von Werkzeugen und Ressourcen

Aufbau

Am Anfang des Semesters informiert die Lehrperson die Lernenden, dass sie im Rahmen des Kurses eingeladen werden, ein Lernprojekt selbstständig zu definieren und durchzuführen. Nach einigen Kurssitzungen wird eine Sitzung für die erste Vorstellung des Lernprojekts festgelegt.

Erste Sitzung:

Das Dokument “Mein Lernprojekt” wird vorgestellt und der allgemeine zeitliche Rahmen definiert, bis wann das Lernprojekt abgeschlossen sein soll, um die Leistungspunkte zu erhalten. Lernende werden eingeladen, individuelle, persönliche Ziele für das Semester bzw. für einen Teil des Semesters zu definieren.

Es hilft, wenn am Anfang des Kurses eine Selbsteinschätzung vorgenommen wurde bzw. ein erstes Feedback von der Lehrkraft gegeben wurde. Lernende werden eingeladen, zu brainstormen, um für sie relevante Ziele, unabhängig vom Kursziel bzw. vom Curriculum zu definieren.

Die Kriterien von SMART.Zielen werden erläutert: Specific – Measurable – Achievable – Relevant – Time-bound.

Lernende brainstormen ihre Ziele. Im Plenum werden Zielvorschläge vorgestellt und besprochen.

Es besteht die Möglichkeit, Fragen über einzelne Teile des Dokuments „Mein Lernprojekt“ und zu Strategien für die Auswahl von geeigneten Ressourcen zu stellen

Als Hausaufgabe werden die Lernenden gebeten, das Dokument fertig auszufüllen und dann die Lehrkraft aufzusuchen, um mit ihr Fragen zu klären und den Lernvertrag zu unterschreiben.

Weitere Sitzungen

finden im Laufe des Semesters statt. Je nach Curriculum und Größe der Lerngruppe können es zwei bis vier Sitzungen bzw. Teile von Sitzungen sein.

Nach ca. drei Wochen wird die zweite Sitzung angesetzt. Hierfür werden die Lernenden gebeten, einen Eintrag in ein Lerntagebuch zu schreiben, in dem sie über ihre Arbeit an ihrem Lernprojekt berichten bzw. darüber reflektieren. In Partner- bzw. Kleingruppenarbeit werden Ausschnitte aus den Lerntagebüchern gelesen und kommentiert. Alternativ wird mündlich berichtet und nachgefragt. Erfahrungen werden ausgetauscht, Fragen gestellt und ggf. Ratschläge gegeben. Auf Moodle oder auf Padlet können Fragen, Antworten, Anmerkungen, Ratschläge zusammengeführt werden.

In einer dritten Sitzung nach weiteren zwei oder drei Wochen werden die Lernenden eingeladen, etwas aus ihrem Lernprojekt zu präsentieren (noch nicht das Endprodukt), z.B. einen Ausschnitt aus einem Buch bzw. aus einem Zeitungsartikel, den man gelesen hat; eine grammatikalische Regel, die man wiederholt und geübt hat; einen Text, den man geschrieben hat; den Inhalt einer Serie, die man sich anschaut, bzw. eine Figur aus der Serie, etc. So werden im Plenum unterschiedliche Lerninhalte sowie Lernerfahrungen geteilt.

In einer vierten Sitzung gegen Semesterende können die Endprodukte im Plenum vorgestellt werden, falls von den Lernenden selbst erwünscht bzw. falls es passt; alternativ dazu kann eine abschließende Reflexion durchgeführt werden: Was habe ich erreicht? Welche Strategien waren für mich wichtig bzw. ausschlaggebend? Was habe ich sprachlich und (lern)methodisch gelernt? Wie habe ich mich dabei gefühlt?

Endprodukte können unter den Lernenden bzw. innerhalb der Einrichtung veröffentlicht werden, falls gewünscht.

Fazit

Ein individuelles oder kooperatives Lernprojekt innerhalb eines Kurses ist ideal, um Lernende zu ermutigen, das eigene Lernen in die Hand zu nehmen. Der Kurs-Rahmen gibt die Möglichkeit, Lernende dabei zu begleiten, zu beraten und ihnen die nötige Hilfestellung zu geben. Durch den Austausch und die Reflexion im Unterricht bekommen Lernende Ideen von anderen und erweitern somit ihr Lernhorizont.